Das Spiel wogt, die Halle tobt. Bei den Heimspielen des Handball-Verbandsligisten VfS 59 Warstein kocht die Stimmung schon mal hoch. Unübersehbar sind aber nicht nur die begeisternden Spielzüge der VfS-Ballzauberer, mit im „Spiel“ sind auch die zahlreichen Sponsoren des Vereins. Säuberlich aufgereiht gegenüber dem Publikum, zieren ihre Banner die Wand der Sporthalle. Sowohl die Größe, wie die Sorgfalt, mit dem die Werbeflächen platziert sind, signalisieren, dass der Verein seine Unterstützer nicht als lästiges Beiwerk empfindet, sondern als Partner, die man wertschätzt. „Unser Spielbetrieb kostete letztes Jahr 87.000 Euro. Ohne Spenden und unsere Sponsoren könnten wir den nicht betreiben“, bringt es Ulrich Becker, Vorsitzender Vereinsentwicklung des VfS, lapidar auf den Punkt.
Vom Dorfverein bis hin zu größeren regionalen Clubs: Das Sponsoring im Breitensport mache – ohne Sachleistungen wie Trikots, Ausrüstung etc. – durchschnittlich mehr als 15 Prozent der Gesamteinnahmen eines Vereins aus. Dies rechnet die VSA vor, die Vereinigung der Sportsponsoring-Anbieter. Dabei handele es sich um Summen von unter 5.000 bis über 40.000 Euro, im Durchschnitt seien es 15.000 Euro. „Sponsoring ist keine Kür, sondern eine überlebenswichtige Einnahmequelle für die breite Basis der Sportvereine in Deutschland“, so ihr Fazit.
Die „Einnahmequellen“ der Warsteiner erschlossen sich nach und nach. „Wir begannen damit, dass wir vor rund zehn Jahren eine App finanzieren wollten, die 600 Euro im Jahr kosten sollte“, erinnert sich Ulrich Becker, „dafür konnten wir drei Sponsoren finden, die je 250 Euro im Jahr beisteuerten. Zack, war die App refinanziert.“ Sein Tipp: „Ich kann nur jedem raten, mit einfachen Projekten zu beginnen und sich am bescheidenen Erfolg erfreuen. Das motiviert für mehr.“ Ein Rezept, das zu funktionieren scheint. Rund 60 Sponsoren und Unterstützer listet der AfS auf seiner Homepage inzwischen auf. Für einen Verein mit rund 420 Mitgliedern …
Mit einfachen Projekten
beginnen und sich
am Erfolg erfreuen.
Das motiviert für mehr.
Ortswechsel. Vom ländlichen Warstein in die Metropolregion Köln-Bonn sind es rund 170 Kilometer. Dort betreibt der Brühler Turnverein erfolgreiches Sponsoring. Mit rund 10.000 Mitgliedern ist er allerdings auch einer der größten Breitensportvereine in Nordrhein-Westfalen. Er listet auf seiner Webseite „Premium“-Sponsoren wie die Stadtwerke, eine Volksbank und einen internationalen Sportartikelhändler auf. Der Erfolg kam nicht von Ungefähr. „Wir haben uns vor drei Jahren zum Thema beraten lassen und zwei Mitarbeiter geschult. Die beherrschen jetzt eine vernünftige Kontaktaufnahme, wir haben unsere Selbstdarstellung verbessert und achten auf eine verlässliche Betreuung unserer Sponsoren“, erläutert Ernst Hengemühle, „das hat für einen Professionalisierungsgrad gesorgt, den man als Verein sonst nicht hat.“ Der Vereinsvorstand verhehlt aber auch nicht: „Wir mussten begreifen, dass ein Sponsor eine Gegenleistung fordert. Im Rahmen eines Vertrages gibt es deshalb eine Leistungsbeschreibung dessen, was der Sponsor leistet. Dem gegenüber steht ein Katalog von Leistungen, die wir erbringen.“
Fakt ist:
Vereine haben Tolles zu bieten, sei es sportlich, in der Jugendarbeit, der Integration, als Treffpunkt vor Ort. Sponsoren profitieren von ihren Stärken. Sie wollen zum Beispiel:
Die Motivation ist unterschiedlich. Viele, meist Kleinunternehmen, unterstützen ihren Verein eher aus Leidenschaft, erwarten keinen hohen Werbewert. „Klassische“ Partner wie Sparkassen oder Stadtwerke wollen die Region stärken und gesellschaftliches Engagement demonstrieren. Andere Sponsoren wiederum erhoffen wirtschaftlichen Nutzen und erwarten auf sie zugeschnittene Konzepte mit eindeutigen Kommunikationszielen. „Ein klares Profil, ein Leitbild, das beschreibt, was den Verein charakterisiert, hilft potentiellen Sponsoren zu erkennen, wo es Gemeinsamkeiten mit seinen Interessen gibt“, unterstreicht Dirk Schröter.
Der LSB-Berater empfiehlt, sich in die Situation des potenziellen Sponsors hineinzuversetzen: „Zeigen Sie schon bei der Kontaktaufnahme, dass man sich mit ihm auseinandergesetzt hat, ihm einen Mehrwert bieten kann. Neben der „Sponsorenmappe“ mit Infos zum Vereinsprofil, den Sponsorenpaketen und Preisen sind erste individuelle Kooperationsideen hilfreich und erhöhen die Erfolgsaussichten“.
Sponsor mit kreativen Ideen
einbinden, Gegenleistung bieten
Sponsoren schätzen die Werte des Vereinssports, auch ohne auf kommerziellen Erfolg zu schielen. Wie zum Beispiel die Merker AG in Sendenhorst. Das deutschlandweit agierende Ingenieurbüro für Gebäudetechnik sponsort die 1. Damen-Volleyball-Mannschaft der SG Sendenhorst. „Vereine sind so wichtig für das soziale Zusammenleben, und die Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, sollten mehr gewürdigt werden. Das ist im Wesentlichen unsere Motivation, die SG zu unterstützen“, erklärt Firmenchef Carsten Merker, dessen Unternehmen in einem schicken, modernen Bürogebäude am Stadtrand „residiert“ – und vor Ort gar keine Geschäfte tätige, wie Merker betont. Dennoch schätzt er „Nebeneffekte“: „Sollte ein Auszubildender den Weg über die Sponsoringmaßnahmen zu uns finden, freuen wir uns natürlich“, sagt er. Auch bei der Merker AG entwickelte sich die Zusammenarbeit aus kleinen Anfängen. „Wir hatten vereinzelt mal Trikots gespendet,“ erinnert sich der Firmenchef, „irgendwann kam ein Anruf, ob wir uns nicht stärker engagieren wollten, die Mannschaft sei auf dem aufsteigenden Ast.“ Heute unterstütze man diverse Aktionen der SG und zahle 5.000 Euro jährlich, um als Hauptsponsor auf den Trikots zu erscheinen. „Das war uns wichtig, wir wollten nicht einer unter vielen sein“, meint Merker.
Keiner unter vielen. Das bietet jetzt die Tennisabteilung des SV Rosellen aus Neuss einem Sponsor. Die Idee: Die nach eigenen Angaben größten Vereinsmeisterschaften in NRW mit über 230 Anmeldungen pro Jahr werden künftig dessen Namen tragen. „Wir haben vor zehn Jahren begonnen, der Abteilung neuen Schwung zu verleihen. Dazu haben wir das vereinsinterne
Turnier wiederbelebt, um den Austausch unter den Mitgliedern zu fördern“, sagt Pressewart Lennart Meier. Durch die gesteigerte Aktivität und verbesserte Kommunikation im Verein (derzeit alleine 1.400 Follower auf Instagram) wurde die Anzahl der Mannschaften binnen weniger Jahre von acht auf 28 gesteigert und für Geldgeber attraktiv. Das Potenzial an „kleinen“ Sponsoren in der eigenen Mitgliedschaft wuchs. „Auch kleinere Beträge summieren sich“, erkannte der umtriebige Sponsorenbeauftragte Steffen Rentergent, „und es gibt immer Möglichkeiten für unkonventionelle Lösungen“. Zahlreiche Sponsoren mit Verbindung zur Abteilung, die meisten in der näheren Umgebung ansässig, konnten so gewonnen werden …
Tipps zum Sponsoring
Ob auf dem Trikot, auf einer Bande oder auf dem Hallenboden: Platz für Sponsoring ist an vielen Stellen.
Doch damit es dauerhaft funktioniert, muss Sponsoring mehr sein als ein Tausch Fläche gegen Geld.
Ein Sponsor unterstützt einen Sportverein mit Geld-, Sach- und/oder Dienstleistungen in Erwartung einer konkreten Gegenleistung (Rechte zur kommunikativen Nutzung auf einer vertraglichen Basis). Das Spenden- und Mäzenatentum verzichtet darauf.
Sponsoring-Gesamtkunstwerk: Das Team unseres Toptalents Maximilian Lammering präsentiert seinen Sponsor, einen Hersteller von Tiefkühl-Pizza, nicht einfach nur auf den Trikots, sondern auch auf den Rädern der Sport-Rollstühle. Übrigens jeder Spieler eine andere Sorte. Mehr zu Maximilian.
Zwischen 2010 und 2019,
sind die Sponsoringausgaben von deutschen
Unternehmen für den Breitensport um 17 %
und für den Spitzensport um 82 % angestiegen
(lt. Studie der Deutschen Sporthochschule Köln)
LSB-Berater Schröter begrüßt solche Ideen. „Sponsoren schätzen zudem eine inhaltliche Einbindung. So kann man frühzeitig überlegen, welche Aktionen man gemeinsam umsetzen und medial verbreiten kann.“ Das könne eine Brötchenaktion mit dem Bäcker um die Ecke, ebenso sein wie die Überreichung eines Siegerpokals durch einen Sponsor.
Laut einer Studie der Deutschen Sporthochschule Köln sind zwischen 2010 und 2019 die Sponsoringausgaben von deutschen Unternehmen für den Breitensport um 17 Prozent angestiegen (Spitzensport um 82 Prozent). Laut VSA erhalten 60 Prozent aller Breitensportvereine Sponsoring-Leistungen in Form finanzieller Mittel, Dienst- oder Sachleistungen wie Trikots, Ausrüstung, Unterstützung bei Veranstaltungen. Aber wie so oft hängt auch die Sponsorensuche im Vereinssport an Einzelpersonen. Wie an einem Original wie Horst Mettler. Der 76-jährige Abteilungsleiter Handball des ATV Hückeswagen ist schon seit einem halben Jahrhundert im „Geschäft“. Einfallsreichtum und Kontakte
sind die Katalysatoren seiner Akquise. „Der ATV Hückeswagen ist der erste Werbeträger, der schon vor vierzig Jahren Werbung am Hintern hatte“, gibt er lachend zu Protokoll. Seine Sponsorenschaft stamme größtenteils aus dem Handwerk vor Ort. „Als ehemaliger Inhaber eines Malerbetriebes habe ich viele Kontakte, die großen Industrieunternehmen hier hatten nie Interesse.“ Dennoch: „Eine Werbung einzuholen, ist nicht jedermanns Sache, da gehört schon ein bisschen Klinkenputzen dazu“, kommentiert er, „aber wenn ich 'ne gute Mannschaft haben will, muss ich Geld haben. Ohne Moos läuft nix ...“
Das Spiel wogt, die Halle tobt. Bei den Heimspielen des Handball-Verbandsligisten VfS 59 Warstein kocht die Stimmung schon mal hoch. Unübersehbar sind aber nicht nur die begeisternden Spielzüge der VfS-Ballzauberer, mit im „Spiel“ sind auch die zahlreichen Sponsoren des Vereins. Säuberlich aufgereiht gegenüber dem Publikum, zieren ihre Banner die Wand der Sporthalle. Sowohl die Größe, wie die Sorgfalt, mit dem die Werbeflächen platziert sind, signalisieren, dass der Verein seine Unterstützer nicht als lästiges Beiwerk empfindet, sondern als Partner, die man wertschätzt. „Unser Spielbetrieb kostete letztes Jahr 87.000 Euro. Ohne Spenden und unsere Sponsoren könnten wir den nicht betreiben“, bringt es Ulrich Becker, Vorsitzender Vereinsentwicklung des VfS, lapidar auf den Punkt.
Vom Dorfverein bis hin zu größeren regionalen Clubs: Das Sponsoring im Breitensport mache – ohne Sachleistungen wie Trikots, Ausrüstung etc. – durchschnittlich mehr als 15 Prozent der Gesamteinnahmen eines Vereins aus. Dies rechnet die VSA vor, die Vereinigung der Sportsponsoring-Anbieter. Dabei handele es sich um Summen von unter 5.000 bis über 40.000 Euro, im Durchschnitt seien es 15.000 Euro. „Sponsoring ist keine Kür, sondern eine überlebenswichtige Einnahmequelle für die breite Basis der Sportvereine in Deutschland“, so ihr Fazit.
Die „Einnahmequellen“ der Warsteiner erschlossen sich nach und nach. „Wir begannen damit, dass wir vor rund zehn Jahren eine App finanzieren wollten, die 600 Euro im Jahr kosten sollte“, erinnert sich Ulrich Becker, „dafür konnten wir drei Sponsoren finden, die je 250 Euro im Jahr beisteuerten. Zack, war die App refinanziert.“ Sein Tipp: „Ich kann nur jedem raten, mit einfachen Projekten zu beginnen und sich am bescheidenen Erfolg erfreuen. Das motiviert für mehr.“ Ein Rezept, das zu funktionieren scheint. Rund 60 Sponsoren und Unterstützer listet der AfS auf seiner Homepage inzwischen auf. Für einen Verein mit rund 420 Mitgliedern …
Mit einfachen Projekten
beginnen und sich
am Erfolg erfreuen.
Das motiviert für mehr.
Ortswechsel. Vom ländlichen Warstein in die Metropolregion Köln-Bonn sind es rund 170 Kilometer. Dort betreibt der Brühler Turnverein erfolgreiches Sponsoring. Mit rund 10.000 Mitgliedern ist er allerdings auch einer der größten Breitensportvereine in Nordrhein-Westfalen. Er listet auf seiner Webseite „Premium“-Sponsoren wie die Stadtwerke, eine Volksbank und einen internationalen Sportartikelhändler auf. Der Erfolg kam nicht von Ungefähr. „Wir haben uns vor drei Jahren zum Thema beraten lassen und zwei Mitarbeiter geschult. Die beherrschen jetzt eine vernünftige Kontaktaufnahme, wir haben unsere Selbstdarstellung verbessert und achten auf eine verlässliche Betreuung unserer Sponsoren“, erläutert Ernst Hengemühle, „das hat für einen Professionalisierungsgrad gesorgt, den man als Verein sonst nicht hat.“ Der Vereinsvorstand verhehlt aber auch nicht: „Wir mussten begreifen, dass ein Sponsor eine Gegenleistung fordert. Im Rahmen eines Vertrages gibt es deshalb eine Leistungsbeschreibung dessen, was der Sponsor leistet. Dem gegenüber steht ein Katalog von Leistungen, die wir erbringen.“
Fakt ist:
Vereine haben Tolles zu bieten, sei es sportlich, in der Jugendarbeit, der Integration, als Treffpunkt vor Ort. Sponsoren profitieren von ihren Stärken. Sie wollen zum Beispiel:
Die Motivation ist unterschiedlich. Viele, meist Kleinunternehmen, unterstützen ihren Verein eher aus Leidenschaft, erwarten keinen hohen Werbewert. „Klassische“ Partner wie Sparkassen oder Stadtwerke wollen die Region stärken und gesellschaftliches Engagement demonstrieren. Andere Sponsoren wiederum erhoffen wirtschaftlichen Nutzen und erwarten auf sie zugeschnittene Konzepte mit eindeutigen Kommunikationszielen. „Ein klares Profil, ein Leitbild, das beschreibt, was den Verein charakterisiert, hilft potentiellen Sponsoren zu erkennen, wo es Gemeinsamkeiten mit seinen Interessen gibt“, unterstreicht Dirk Schröter.
Tipps zum Sponsoring
Ob auf dem Trikot, auf einer Bande oder auf dem Hallenboden: Platz für Sponsoring ist an vielen Stellen. Doch damit es dauerhaft funktioniert, muss Sponsoring mehr sein als ein Tausch Fläche gegen Geld.
Ein Sponsor unterstützt einen Sportverein mit Geld-, Sach- und/oder Dienstleistungen in Erwartung einer konkreten Gegenleistung (Rechte zur kommunikativen Nutzung auf einer vertraglichen Basis). Das Spenden- und Mäzenatentum verzichtet darauf.
Sponsoring-Gesamtkunstwerk: Das Team unseres Toptalents Maximilian Lammering präsentiert seinen Sponsor, einen Hersteller von Tiefkühl-Pizza, nicht einfach nur auf den Trikots, sondern auch auf den Rädern der Sport-Rollstühle. Übrigens jeder Spieler eine andere Sorte.
Zwischen 2010 und 2019,
sind die Sponsoringausgaben von
deutschen Unternehmen für den Breitensport um 17 % und für den Spitzensport um 82 % angestiegen
(lt. Studie der Deutschen Sporthochschule Köln)
Der LSB-Berater empfiehlt, sich in die Situation des potenziellen Sponsors hineinzuversetzen: „Zeigen Sie schon bei der Kontaktaufnahme, dass man sich mit ihm auseinandergesetzt hat, ihm einen Mehrwert bieten kann. Neben der „Sponsorenmappe“ mit Infos zum Vereinsprofil, den Sponsorenpaketen und Preisen sind erste individuelle Kooperationsideen hilfreich und erhöhen die Erfolgsaussichten“.
Sponsor mit kreativen Ideen
einbinden, Gegenleistung bieten
Sponsoren schätzen die Werte des Vereinssports, auch ohne auf kommerziellen Erfolg zu schielen. Wie zum Beispiel die Merker AG in Sendenhorst. Das deutschlandweit agierende Ingenieurbüro für Gebäudetechnik sponsort die 1. Damen-Volleyball-Mannschaft der SG Sendenhorst. „Vereine sind so wichtig für das soziale Zusammenleben, und die Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, sollten mehr gewürdigt werden. Das ist im Wesentlichen unsere Motivation, die SG zu unterstützen“, erklärt Firmenchef Carsten Merker, dessen Unternehmen in einem schicken, modernen Bürogebäude am Stadtrand „residiert“ – und vor Ort gar keine Geschäfte tätige, wie Merker betont. Dennoch schätzt er „Nebeneffekte“: „Sollte ein Auszubildender den Weg über die Sponsoringmaßnahmen zu uns finden, freuen wir uns natürlich“, sagt er. Auch bei der Merker AG entwickelte sich die Zusammenarbeit aus kleinen Anfängen. „Wir hatten vereinzelt mal Trikots gespendet,“ erinnert sich der Firmenchef, „irgendwann kam ein Anruf, ob wir uns nicht stärker engagieren wollten, die Mannschaft sei auf dem aufsteigenden Ast.“ Heute unterstütze man diverse Aktionen der SG und zahle 5.000 Euro jährlich, um als Hauptsponsor auf den Trikots zu erscheinen. „Das war uns wichtig, wir wollten nicht einer unter vielen sein“, meint Merker.
Keiner unter vielen. Das bietet jetzt die Tennisabteilung des SV Rosellen aus Neuss einem Sponsor. Die Idee: Die nach eigenen Angaben größten Vereinsmeisterschaften in NRW mit über 230 Anmeldungen pro Jahr werden künftig dessen Namen tragen. „Wir haben vor zehn Jahren begonnen, der Abteilung neuen Schwung zu verleihen. Dazu haben wir das vereinsinterne
Turnier wiederbelebt, um den Austausch unter den Mitgliedern zu fördern“, sagt Pressewart Lennart Meier. Durch die gesteigerte Aktivität und verbesserte Kommunikation im Verein (derzeit alleine 1.400 Follower auf Instagram) wurde die Anzahl der Mannschaften binnen weniger Jahre von acht auf 28 gesteigert und für Geldgeber attraktiv. Das Potenzial an „kleinen“ Sponsoren in der eigenen Mitgliedschaft wuchs. „Auch kleinere Beträge summieren sich“, erkannte der umtriebige Sponsorenbeauftragte Steffen Rentergent, „und es gibt immer Möglichkeiten für unkonventionelle Lösungen“. Zahlreiche Sponsoren mit Verbindung zur Abteilung, die meisten in der näheren Umgebung ansässig, konnten so gewonnen werden …
LSB-Berater Schröter begrüßt solche Ideen. „Sponsoren schätzen zudem eine inhaltliche Einbindung. So kann man frühzeitig überlegen, welche Aktionen man gemeinsam umsetzen und medial verbreiten kann.“ Das könne eine Brötchenaktion mit dem Bäcker um die Ecke, ebenso sein wie die Überreichung eines Siegerpokals durch einen Sponsor.
Laut einer Studie der Deutschen Sporthochschule Köln sind zwischen 2010 und 2019 die Sponsoringausgaben von deutschen Unternehmen für den Breitensport um 17 Prozent angestiegen (Spitzensport um 82 Prozent). Laut VSA erhalten 60 Prozent aller Breitensportvereine Sponsoring-Leistungen in Form finanzieller Mittel, Dienst- oder Sachleistungen wie Trikots, Ausrüstung, Unterstützung bei Veranstaltungen. Aber wie so oft hängt auch die Sponsorensuche im Vereinssport an Einzelpersonen. Wie an einem Original wie Horst Mettler. Der 76-jährige Abteilungsleiter Handball des ATV Hückeswagen ist schon seit einem halben Jahrhundert im „Geschäft“. Einfallsreichtum und Kontakte
sind die Katalysatoren seiner Akquise. „Der ATV Hückeswagen ist der erste Werbeträger, der schon vor vierzig Jahren Werbung am Hintern hatte“, gibt er lachend zu Protokoll. Seine Sponsorenschaft stamme größtenteils aus dem Handwerk vor Ort. „Als ehemaliger Inhaber eines Malerbetriebes habe ich viele Kontakte, die großen Industrieunternehmen hier hatten nie Interesse.“ Dennoch: „Eine Werbung einzuholen, ist nicht jedermanns Sache, da gehört schon ein bisschen Klinkenputzen dazu“, kommentiert er, „aber wenn ich 'ne gute Mannschaft haben will, muss ich Geld haben. Ohne Moos läuft nix ...“
Das Spiel wogt, die Halle tobt. Bei den Heimspielen des Handball-Verbandsligisten VfS 59 Warstein kocht die Stimmung schon mal hoch. Unübersehbar sind aber nicht nur die begeisternden Spielzüge der VfS-Ballzauberer, mit im „Spiel“ sind auch die zahlreichen Sponsoren des Vereins. Säuberlich aufgereiht gegenüber dem Publikum, zieren ihre Banner die Wand der Sporthalle. Sowohl die Größe, wie die Sorgfalt, mit dem die Werbeflächen platziert sind, signalisieren, dass der Verein seine Unterstützer nicht als lästiges Beiwerk empfindet, sondern als Partner, die man wertschätzt. „Unser Spielbetrieb kostete letztes Jahr 87.000 Euro. Ohne Spenden und unsere Sponsoren könnten wir den nicht betreiben“, bringt es Ulrich Becker, Vorsitzender Vereinsentwicklung des VfS, lapidar auf den Punkt.
Vom Dorfverein bis hin zu größeren regionalen Clubs: Das Sponsoring im Breitensport mache – ohne Sachleistungen wie Trikots, Ausrüstung etc. – durchschnittlich mehr als 15 Prozent der Gesamteinnahmen eines Vereins aus. Dies rechnet die VSA vor, die Vereinigung der Sportsponsoring-Anbieter. Dabei handele es sich um Summen von unter 5.000 bis über 40.000 Euro, im Durchschnitt seien es 15.000 Euro. „Sponsoring ist keine Kür, sondern eine überlebenswichtige Einnahmequelle für die breite Basis der Sportvereine in Deutschland“, so ihr Fazit.
Die „Einnahmequellen“ der Warsteiner erschlossen sich nach und nach. „Wir begannen damit, dass wir vor rund zehn Jahren eine App finanzieren wollten, die 600 Euro im Jahr kosten sollte“, erinnert sich Ulrich Becker, „dafür konnten wir drei Sponsoren finden, die je 250 Euro im Jahr beisteuerten. Zack, war die App refinanziert.“ Sein Tipp: „Ich kann nur jedem raten, mit einfachen Projekten zu beginnen und sich am bescheidenen Erfolg erfreuen. Das motiviert für mehr.“ Ein Rezept, das zu funktionieren scheint. Rund 60 Sponsoren und Unterstützer listet der AfS auf seiner Homepage inzwischen auf. Für einen Verein mit rund 420 Mitgliedern …
Mit einfachen Projekten
beginnen und sich
am Erfolg erfreuen.
Das motiviert für mehr.
Ortswechsel. Vom ländlichen Warstein in die Metropolregion Köln-Bonn sind es rund 170 Kilometer. Dort betreibt der Brühler Turnverein erfolgreiches Sponsoring. Mit rund 10.000 Mitgliedern ist er allerdings auch einer der größten Breitensportvereine in Nordrhein-Westfalen. Er listet auf seiner Webseite „Premium“-Sponsoren wie die Stadtwerke, eine Volksbank und einen internationalen Sportartikelhändler auf. Der Erfolg kam nicht von Ungefähr. „Wir haben uns vor drei Jahren zum Thema beraten lassen und zwei Mitarbeiter geschult. Die beherrschen jetzt eine vernünftige Kontaktaufnahme, wir haben unsere Selbstdarstellung verbessert und achten auf eine verlässliche Betreuung unserer Sponsoren“, erläutert Ernst Hengemühle, „das hat für einen Professionalisierungsgrad gesorgt, den man als Verein sonst nicht hat.“ Der Vereinsvorstand verhehlt aber auch nicht: „Wir mussten begreifen, dass ein Sponsor eine Gegenleistung fordert. Im Rahmen eines Vertrages gibt es deshalb eine Leistungsbeschreibung dessen, was der Sponsor leistet. Dem gegenüber steht ein Katalog von Leistungen, die wir erbringen.“
Fakt ist:
Vereine haben Tolles zu bieten, sei es sportlich, in der Jugendarbeit, der Integration, als Treffpunkt vor Ort. Sponsoren profitieren von ihren Stärken. Sie wollen zum Beispiel:
Die Motivation ist unterschiedlich. Viele, meist Kleinunternehmen, unterstützen ihren Verein eher aus Leidenschaft, erwarten keinen hohen Werbewert. „Klassische“ Partner wie Sparkassen oder Stadtwerke wollen die Region stärken und gesellschaftliches Engagement demonstrieren. Andere Sponsoren wiederum erhoffen wirtschaftlichen Nutzen und erwarten auf sie zugeschnittene Konzepte mit eindeutigen Kommunikationszielen. „Ein klares Profil, ein Leitbild, das beschreibt, was den Verein charakterisiert, hilft potentiellen Sponsoren zu erkennen, wo es Gemeinsamkeiten mit seinen Interessen gibt“, unterstreicht Dirk Schröter.
Der LSB-Berater empfiehlt, sich in die Situation des potenziellen Sponsors hineinzuversetzen: „Zeigen Sie schon bei der Kontaktaufnahme, dass man sich mit ihm auseinandergesetzt hat, ihm einen Mehrwert bieten kann. Neben der „Sponsorenmappe“ mit Infos zum Vereinsprofil, den Sponsorenpaketen und Preisen sind erste individuelle Kooperationsideen hilfreich und erhöhen die Erfolgsaussichten“.
Sponsor mit kreativen Ideen
einbinden, Gegenleistung bieten
Sponsoren schätzen die Werte des Vereinssports, auch ohne auf kommerziellen Erfolg zu schielen. Wie zum Beispiel die Merker AG in Sendenhorst. Das deutschlandweit agierende Ingenieurbüro für Gebäudetechnik sponsort die 1. Damen-Volleyball-Mannschaft der SG Sendenhorst. „Vereine sind so wichtig für das soziale Zusammenleben, und die Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, sollten mehr gewürdigt werden. Das ist im Wesentlichen unsere Motivation, die SG zu unterstützen“, erklärt Firmenchef Carsten Merker, dessen Unternehmen in einem schicken, modernen Bürogebäude am Stadtrand „residiert“ – und vor Ort gar keine Geschäfte tätige, wie Merker betont. Dennoch schätzt er „Nebeneffekte“: „Sollte ein Auszubildender den Weg über die Sponsoringmaßnahmen zu uns finden, freuen wir uns natürlich“, sagt er. Auch bei der Merker AG entwickelte sich die Zusammenarbeit aus kleinen Anfängen. „Wir hatten vereinzelt mal Trikots gespendet,“ erinnert sich der Firmenchef, „irgendwann kam ein Anruf, ob wir uns nicht stärker engagieren wollten, die Mannschaft sei auf dem aufsteigenden Ast.“ Heute unterstütze man diverse Aktionen der SG und zahle 5.000 Euro jährlich, um als Hauptsponsor auf den Trikots zu erscheinen. „Das war uns wichtig, wir wollten nicht einer unter vielen sein“, meint Merker.
Tipps zum Sponsoring
Ob auf dem Trikot, auf einer Bande oder auf dem Hallenboden: Platz für Sponsoring ist an vielen Stellen. Doch damit es dauerhaft funktioniert, muss Sponsoring mehr sein als ein Tausch Fläche gegen Geld.
Ein Sponsor unterstützt einen Sportverein mit Geld-, Sach- und/oder Dienstleistungen in Erwartung einer konkreten Gegenleistung (Rechte zur kommunikativen Nutzung auf einer vertraglichen Basis). Das Spenden- und Mäzenatentum verzichtet darauf.
Sponsoring-Gesamtkunstwerk: Das Team unseres Toptalents Maximilian Lammering präsentiert seinen Sponsor, einen Hersteller von Tiefkühl-Pizza, nicht einfach nur auf den Trikots, sondern auch auf den Rädern der Sport-Rollstühle. Übrigens jeder Spieler eine andere Sorte.
Zwischen 2010 und 2019,
sind die Sponsoringausgaben von deutschen Unternehmen für den Breitensport um 17 % und für den Spitzensport um 82 % angestiegen
(lt. Studie der Deutschen Sporthochschule Köln)
Keiner unter vielen. Das bietet jetzt die Tennisabteilung des SV Rosellen aus Neuss einem Sponsor. Die Idee: Die nach eigenen Angaben größten Vereinsmeisterschaften in NRW mit über 230 Anmeldungen pro Jahr werden künftig dessen Namen tragen. „Wir haben vor zehn Jahren begonnen, der Abteilung neuen Schwung zu verleihen. Dazu haben wir das vereinsinterne
Turnier wiederbelebt, um den Austausch unter den Mitgliedern zu fördern“, sagt Pressewart Lennart Meier. Durch die gesteigerte Aktivität und verbesserte Kommunikation im Verein (derzeit alleine 1.400 Follower auf Instagram) wurde die Anzahl der Mannschaften binnen weniger Jahre von acht auf 28 gesteigert und für Geldgeber attraktiv. Das Potenzial an „kleinen“ Sponsoren in der eigenen Mitgliedschaft wuchs. „Auch kleinere Beträge summieren sich“, erkannte der umtriebige Sponsorenbeauftragte Steffen Rentergent, „und es gibt immer Möglichkeiten für unkonventionelle Lösungen“. Zahlreiche Sponsoren mit Verbindung zur Abteilung, die meisten in der näheren Umgebung ansässig, konnten so gewonnen werden …
LSB-Berater Schröter begrüßt solche Ideen. „Sponsoren schätzen zudem eine inhaltliche Einbindung. So kann man frühzeitig überlegen, welche Aktionen man gemeinsam umsetzen und medial verbreiten kann.“ Das könne eine Brötchenaktion mit dem Bäcker um die Ecke, ebenso sein wie die Überreichung eines Siegerpokals durch einen Sponsor.
Laut einer Studie der Deutschen Sporthochschule Köln sind zwischen 2010 und 2019 die Sponsoringausgaben von deutschen Unternehmen für den Breitensport um 17 Prozent angestiegen (Spitzensport um 82 Prozent). Laut VSA erhalten 60 Prozent aller Breitensportvereine Sponsoring-Leistungen in Form finanzieller Mittel, Dienst- oder Sachleistungen wie Trikots, Ausrüstung, Unterstützung bei Veranstaltungen. Aber wie so oft hängt auch die Sponsorensuche im Vereinssport an Einzelpersonen. Wie an einem Original wie Horst Mettler. Der 76-jährige Abteilungsleiter Handball des ATV Hückeswagen ist schon seit einem halben Jahrhundert im „Geschäft“. Einfallsreichtum und Kontakte
sind die Katalysatoren seiner Akquise. „Der ATV Hückeswagen ist der erste Werbeträger, der schon vor vierzig Jahren Werbung am Hintern hatte“, gibt er lachend zu Protokoll. Seine Sponsorenschaft stamme größtenteils aus dem Handwerk vor Ort. „Als ehemaliger Inhaber eines Malerbetriebes habe ich viele Kontakte, die großen Industrieunternehmen hier hatten nie Interesse.“ Dennoch: „Eine Werbung einzuholen, ist nicht jedermanns Sache, da gehört schon ein bisschen Klinkenputzen dazu“, kommentiert er, „aber wenn ich 'ne gute Mannschaft haben will, muss ich Geld haben. Ohne Moos läuft nix ...“