Mit 13 Jahren ist Jasper Rasche sportlich schon dort angekommen, wo es für ihn in seiner Altersklasse nicht mehr höher geht: Mit dem deutschen Team gewann der Dressurreiter Gold bei der Children-Europameisterschaft und wurde in den Bundeskader berufen. So ganz realisiert hat Jasper diesen „Senkrechtstart“ offenbar selbst noch nicht – und ohne seinen vierbeinigen Partner Limoncelli 2, von ihm zumeist nur „Celli“ genannt, wäre die Geschichte ohnehin nur halb erzählt.
Jasper, du hast in deinem Sport einen rasanten Aufstieg hingelegt. Hast du selbst schon begriffen, was da in den vergangenen Monaten passiert ist?
Ganz ehrlich: Ich glaube nicht. Ich war auf der Euro, bin geritten und wir haben mit der Mannschaft gewonnen. Aber in meinem Gehirn ist das irgendwie immer noch nicht richtig angekommen. Es fühlt sich noch ein bisschen wie ein Traum an.
Dabei hat alles mit deiner großen Schwester angefangen. Weißt du noch, wann du zum ersten Mal dachtest: „Das will ich auch“?
Eigentlich direkt bei meiner ersten Reitstunde. Ich bin geritten und es hat mich sofort gepackt.
Was hat dich so gepackt?
Was macht das Reiten für dich bis heute besonders?
Anders als bei vielen anderen Sportarten ist man nie alleine, sondern hat immer sein Pferd als Partner an seiner Seite. Beim Reiten passiert dann vieles instinktiv. Die Aufgabe habe ich natürlich vorher im Training gelernt. Wenn ich sie dann reite, denke ich darüber aber nicht mehr groß nach. Dann reite ich einfach.
„Dann reite ich einfach“ klingt ziemlich unkompliziert. Ist es das auch?
Nein. Ich hatte früher selbst Vorurteile und dachte: Die sitzen da nur drauf und machen gar nichts. Bei meiner ersten Reitstunde habe ich aber ziemlich schnell gemerkt, dass man verdammt viel beachten muss. Der Sitz muss stimmen, Beine und Hände muss man richtig halten und gleichzeitig gibt man nur ganz leichte Signale mit dem Handgelenk. Das Schwierige ist, nicht zu viel und nicht zu wenig zu machen, sondern sich ständig an die Situation anzupassen.
Es gibt ja noch die Vorstellung, dass Reiten vor allem ein Sport für Mädchen wäre. Merkst du, dass du als Junge im Reitsport eher die Ausnahme bist?
Ja, schon. Mir fällt auf, dass man als Junge im Dressursport irgendwie immer etwas Besonderes ist. Deswegen fand ich es auch echt cool, bei „Jungs im Viereck“ in Warendorf mal nur mit Jungs zu trainieren.
Ganz allein bist du im Viereck aber sowieso nie, hast du vorhin gesagt. Mit Celli hast du einen ganz besonderen Partner. Wusstest du beim ersten Ritt direkt: Das passt?
Ja, eigentlich schon beim Aufsteigen. Mir hat sofort gefallen, wie es sich auf ihm angefühlt hat, und irgendwie war alles so einfach. Ich glaube, Celli und ich sind uns auch ziemlich ähnlich. Wir sind beide ruhig und entspannt. Beim Reiten sagt man ja immer, dass das Pferd sich seinen Reiter aussucht und bei uns war es glaube ich wirklich so.
Wenn Celli ein Mensch wäre, was wäre er für ein Typ?
Ich glaube, Celli wäre so ein richtig witziger Opa. Er ist manchmal ein bisschen stur, aber ich mag seine entspannte Art. Wenn ich zu ihm in die Box komme, will er direkt gekrault werden.
Du wirst Celli in den bis zu vier Stunden, die du täglich im Stall verbringst, aber nicht nur kraulen. Was steht da sonst noch so an?
Wenn ich ankomme, gehe ich zuerst zu unseren Pferden Ninja Warrior, den wir Ossi nennen, Only Follow Me und Celli, begrüße sie und gebe ihnen eine Möhre. Vor dem Reiten stehen intensives Putzen, Satteln und Trensen auf dem Programm. Die Trainingseinheit nach dem Aufwärmen dauert nur etwa 30 Minuten, aber ich kümmere mich auch um viele Dinge drum herum, zum Beispiel Spezialfutter vorbereiten, Weidegänge und Ausritte. Wenn der Tierzahnarzt, Hufschmied oder die Physiotherapeutin kommen, bin ich mit dabei. Mir ist wichtig, dass es den Pferden gut geht. Besonders Celli wird echt verwöhnt: Ich massiere ihn oft mit einem speziellen Gerät mit Magnetfeldern.
Ihr seid offensichtlich beide entspannte Typen. Gab es bei der EM trotzdem einen Moment, in dem du nervös wurdest?
Ein bisschen nervös war ich tatsächlich. Celli hat das auch gemerkt und wurde kurz etwas unruhig. Durch das viele Training ist aber vieles schon Gewohnheit. Sobald ich aufgestiegen bin, war die Nervosität weg. Ich war voll auf Autopilot und Celli auch wieder ruhig.
Dass es zwischen euch passt, wurde sogar schon ausgezeichnet: Für das Gesamtbild aus gefühlvollem Reiten und fairem Miteinander mit Pferd und Team hast du den Harmoniepreis erhalten. Was bedeutet für dich Harmonie beim Reiten?
Für mich ist das A und O, selbst die Ruhe zu bewahren und nie zu viel von seinem Pferd zu verlangen. Dazu gehört auch, auf seine Bedürfnisse zu achten und gut mit ihm umzugehen.
Sechs bis sieben Tage pro Woche im Stall, dazu Turniere und Lehrgänge – wie sieht dein Alltag aus, wenn auch noch die Schule dazukommt?
Nach der Schule geht es direkt zum Stall, die Hausaufgaben mache ich meistens im Auto. Viel Zeit zum Lernen bleibt neben dem ganzen Training und den Turnieren nicht, aber meine Noten sind zum Glück trotzdem gut. An einem Schultag bin ich gegen acht Uhr abends zu Hause, manchmal auch später, je nachdem, was im Stall noch so zu tun ist. Dann schaue ich noch ein paar Serien zum Runterkommen.
Wissen deine Mitschüler eigentlich, was du außerhalb des Klassenzimmers sportlich alles erreichst?
Ja, schon. Die Lehrer haben einmal in der Klasse erzählt, dass wir die EM gewonnen haben. Da wurde kurz applaudiert, ansonsten ist da alles entspannt.
In der Schule also weiterhin der normale Jasper. Und im Viereck – wo soll es da als Nächstes hingehen?
Nächstes Jahr möchte ich weiter bei den Children reiten und wieder zur Euro. Dafür muss ich viele Lehrgänge und Sichtungen machen. Irgendwann, also wenn ich alt genug bin, würde ich auch gerne bei einer Weltmeisterschaft reiten. Am liebsten natürlich mit Celli. Wenn ich könnte, würde ich ihn bis ans Ende meines Lebens reiten. Leider ist er jetzt schon etwas älter. Nächstes Jahr können wir aber noch zusammen bei den Children starten. Darauf freue ich mich.
Videoporträt // Jasper Rasche
Porträt: Jasper Rasche
Dressurreiten:
Verein: Reiterverein Neuwied e.V.
Trainer: Nicole Rex & Caroline Roost (Bundestrainerin)
Erfolge 2026:
3. Platz | Deutsche Jugendmeisterschaft (Bundesnachwuchschampionat U15)
1. Platz - Gold im Team | Europameisterschaft
Berufung Bundesnachwuchskader NK 1
1. und 2. Platz | Future Champions Hof Kasselmann
Harmonie & Fairnesspreis | Preis der Besten, Warendorf
Mit 13 Jahren ist Jasper Rasche sportlich schon dort angekommen, wo es für ihn in seiner Altersklasse nicht mehr höher geht: Mit dem deutschen Team gewann der Dressurreiter Gold bei der Children-Europameisterschaft und wurde in den Bundeskader berufen. So ganz realisiert hat Jasper diesen „Senkrechtstart“ offenbar selbst noch nicht – und ohne seinen vierbeinigen Partner Limoncelli 2, von ihm zumeist nur „Celli“ genannt, wäre die Geschichte ohnehin nur halb erzählt.
Jasper, du hast in deinem Sport einen rasanten Aufstieg hingelegt. Hast du selbst schon begriffen, was da in den vergangenen Monaten passiert ist?
Ganz ehrlich: Ich glaube nicht. Ich war auf der Euro, bin geritten und wir haben mit der Mannschaft gewonnen. Aber in meinem Gehirn ist das irgendwie immer noch nicht richtig angekommen. Es fühlt sich noch ein bisschen wie ein Traum an.
Dabei hat alles mit deiner großen Schwester angefangen. Weißt du noch, wann du zum ersten Mal dachtest: „Das will ich auch“?
Eigentlich direkt bei meiner ersten Reitstunde. Ich bin geritten und es hat mich sofort gepackt.
Was hat dich so gepackt?
Was macht das Reiten für dich bis heute besonders?
Anders als bei vielen anderen Sportarten ist man nie alleine, sondern hat immer sein Pferd als Partner an seiner Seite. Beim Reiten passiert dann vieles instinktiv. Die Aufgabe habe ich natürlich vorher im Training gelernt. Wenn ich sie dann reite, denke ich darüber aber nicht mehr groß nach. Dann reite ich einfach.
„Dann reite ich einfach“ klingt ziemlich unkompliziert. Ist es das auch?
Nein. Ich hatte früher selbst Vorurteile und dachte: Die sitzen da nur drauf und machen gar nichts. Bei meiner ersten Reitstunde habe ich aber ziemlich schnell gemerkt, dass man verdammt viel beachten muss. Der Sitz muss stimmen, Beine und Hände muss man richtig halten und gleichzeitig gibt man nur ganz leichte Signale mit dem Handgelenk. Das Schwierige ist, nicht zu viel und nicht zu wenig zu machen, sondern sich ständig an die Situation anzupassen.
Es gibt ja noch die Vorstellung, dass Reiten vor allem ein Sport für Mädchen wäre. Merkst du, dass du als Junge im Reitsport eher die Ausnahme bist?
Ja, schon. Mir fällt auf, dass man als Junge im Dressursport irgendwie immer etwas Besonderes ist. Deswegen fand ich es auch echt cool, bei „Jungs im Viereck“ in Warendorf mal nur mit Jungs zu trainieren.
Ganz allein bist du im Viereck aber sowieso nie, hast du vorhin gesagt. Mit Celli hast du einen ganz besonderen Partner. Wusstest du beim ersten Ritt direkt: Das passt?
Ja, eigentlich schon beim Aufsteigen. Mir hat sofort gefallen, wie es sich auf ihm angefühlt hat, und irgendwie war alles so einfach. Ich glaube, Celli und ich sind uns auch ziemlich ähnlich. Wir sind beide ruhig und entspannt. Beim Reiten sagt man ja immer, dass das Pferd sich seinen Reiter aussucht und bei uns war es glaube ich wirklich so.
Wenn Celli ein Mensch wäre, was wäre er für ein Typ?
Ich glaube, Celli wäre so ein richtig witziger Opa. Er ist manchmal ein bisschen stur, aber ich mag seine entspannte Art. Wenn ich zu ihm in die Box komme, will er direkt gekrault werden.
Du wirst Celli in den bis zu vier Stunden, die du täglich im Stall verbringst, aber nicht nur kraulen. Was steht da sonst noch so an?
Wenn ich ankomme, gehe ich zuerst zu unseren Pferden Ninja Warrior, den wir Ossi nennen, Only Follow Me und Celli, begrüße sie und gebe ihnen eine Möhre. Vor dem Reiten stehen intensives Putzen, Satteln und Trensen auf dem Programm. Die Trainingseinheit nach dem Aufwärmen dauert nur etwa 30 Minuten, aber ich kümmere mich auch um viele Dinge drum herum, zum Beispiel Spezialfutter vorbereiten, Weidegänge und Ausritte. Wenn der Tierzahnarzt, Hufschmied oder die Physiotherapeutin kommen, bin ich mit dabei. Mir ist wichtig, dass es den Pferden gut geht. Besonders Celli wird echt verwöhnt: Ich massiere ihn oft mit einem speziellen Gerät mit Magnetfeldern.
Ihr seid offensichtlich beide entspannte Typen. Gab es bei der EM trotzdem einen Moment, in dem du nervös wurdest?
Ein bisschen nervös war ich tatsächlich. Celli hat das auch gemerkt und wurde kurz etwas unruhig. Durch das viele Training ist aber vieles schon Gewohnheit. Sobald ich aufgestiegen bin, war die Nervosität weg. Ich war voll auf Autopilot und Celli auch wieder ruhig.
Dass es zwischen euch passt, wurde sogar schon ausgezeichnet: Für das Gesamtbild aus gefühlvollem Reiten und fairem Miteinander mit Pferd und Team hast du den Harmoniepreis erhalten. Was bedeutet für dich Harmonie beim Reiten?
Für mich ist das A und O, selbst die Ruhe zu bewahren und nie zu viel von seinem Pferd zu verlangen. Dazu gehört auch, auf seine Bedürfnisse zu achten und gut mit ihm umzugehen.
Sechs bis sieben Tage pro Woche im Stall, dazu Turniere und Lehrgänge – wie sieht dein Alltag aus, wenn auch noch die Schule dazukommt?
Nach der Schule geht es direkt zum Stall, die Hausaufgaben mache ich meistens im Auto. Viel Zeit zum Lernen bleibt neben dem ganzen Training und den Turnieren nicht, aber meine Noten sind zum Glück trotzdem gut. An einem Schultag bin ich gegen acht Uhr abends zu Hause, manchmal auch später, je nachdem, was im Stall noch so zu tun ist. Dann schaue ich noch ein paar Serien zum Runterkommen.
Wissen deine Mitschüler eigentlich, was du außerhalb des Klassenzimmers sportlich alles erreichst?
Ja, schon. Die Lehrer haben einmal in der Klasse erzählt, dass wir die EM gewonnen haben. Da wurde kurz applaudiert, ansonsten ist da alles entspannt.
In der Schule also weiterhin der normale Jasper. Und im Viereck – wo soll es da als Nächstes hingehen?
Nächstes Jahr möchte ich weiter bei den Children reiten und wieder zur Euro. Dafür muss ich viele Lehrgänge und Sichtungen machen. Irgendwann, also wenn ich alt genug bin, würde ich auch gerne bei einer Weltmeisterschaft reiten. Am liebsten natürlich mit Celli. Wenn ich könnte, würde ich ihn bis ans Ende meines Lebens reiten. Leider ist er jetzt schon etwas älter. Nächstes Jahr können wir aber noch zusammen bei den Children starten. Darauf freue ich mich.
Videoporträt // Jasper Rasche
Porträt: Jasper Rasche
Dressurreiten:
Verein: Reiterverein Neuwied e.V.
Trainer: Nicole Rex & Caroline Roost (Bundestrainerin)
Erfolge 2026:
3. Platz
Deutsche Jugendmeisterschaft (Bundesnachwuchschampionat U15)
Mit 13 Jahren ist Jasper Rasche sportlich schon dort angekommen, wo es für ihn in seiner Altersklasse nicht mehr höher geht: Mit dem deutschen Team gewann der Dressurreiter Gold bei der Children-Europameisterschaft und wurde in den Bundeskader berufen. So ganz realisiert hat Jasper diesen „Senkrechtstart“ offenbar selbst noch nicht – und ohne seinen vierbeinigen Partner Limoncelli 2, von ihm zumeist nur „Celli“ genannt, wäre die Geschichte ohnehin nur halb erzählt.
Jasper, du hast in deinem Sport einen rasanten Aufstieg hingelegt. Hast du selbst schon begriffen, was da in den vergangenen Monaten passiert ist?
Ganz ehrlich: Ich glaube nicht. Ich war auf der Euro, bin geritten und wir haben mit der Mannschaft gewonnen. Aber in meinem Gehirn ist das irgendwie immer noch nicht richtig angekommen. Es fühlt sich noch ein bisschen wie ein Traum an.
Dabei hat alles mit deiner großen Schwester angefangen. Weißt du noch, wann du zum ersten Mal dachtest: „Das will ich auch“?
Eigentlich direkt bei meiner ersten Reitstunde. Ich bin geritten und es hat mich sofort gepackt.
Was hat dich so gepackt?
Was macht das Reiten für dich bis heute besonders?
Anders als bei vielen anderen Sportarten ist man nie alleine, sondern hat immer sein Pferd als Partner an seiner Seite. Beim Reiten passiert dann vieles instinktiv. Die Aufgabe habe ich natürlich vorher im Training gelernt. Wenn ich sie dann reite, denke ich darüber aber nicht mehr groß nach. Dann reite ich einfach.
„Dann reite ich einfach“ klingt ziemlich unkompliziert. Ist es das auch?
Nein. Ich hatte früher selbst Vorurteile und dachte: Die sitzen da nur drauf und machen gar nichts. Bei meiner ersten Reitstunde habe ich aber ziemlich schnell gemerkt, dass man verdammt viel beachten muss. Der Sitz muss stimmen, Beine und Hände muss man richtig halten und gleichzeitig gibt man nur ganz leichte Signale mit dem Handgelenk. Das Schwierige ist, nicht zu viel und nicht zu wenig zu machen, sondern sich ständig an die Situation anzupassen.
Es gibt ja noch die Vorstellung, dass Reiten vor allem ein Sport für Mädchen wäre. Merkst du, dass du als Junge im Reitsport eher die Ausnahme bist?
Ja, schon. Mir fällt auf, dass man als Junge im Dressursport irgendwie immer etwas Besonderes ist. Deswegen fand ich es auch echt cool, bei „Jungs im Viereck“ in Warendorf mal nur mit Jungs zu trainieren.
Ganz allein bist du im Viereck aber sowieso nie, hast du vorhin gesagt. Mit Celli hast du einen ganz besonderen Partner. Wusstest du beim ersten Ritt direkt: Das passt?
Ja, eigentlich schon beim Aufsteigen. Mir hat sofort gefallen, wie es sich auf ihm angefühlt hat, und irgendwie war alles so einfach. Ich glaube, Celli und ich sind uns auch ziemlich ähnlich. Wir sind beide ruhig und entspannt. Beim Reiten sagt man ja immer, dass das Pferd sich seinen Reiter aussucht und bei uns war es glaube ich wirklich so.
Wenn Celli ein Mensch wäre, was wäre er für ein Typ?
Ich glaube, Celli wäre so ein richtig witziger Opa. Er ist manchmal ein bisschen stur, aber ich mag seine entspannte Art. Wenn ich zu ihm in die Box komme, will er direkt gekrault werden.
Du wirst Celli in den bis zu vier Stunden, die du täglich im Stall verbringst, aber nicht nur kraulen. Was steht da sonst noch so an?
Wenn ich ankomme, gehe ich zuerst zu unseren Pferden Ninja Warrior, den wir Ossi nennen, Only Follow Me und Celli, begrüße sie und gebe ihnen eine Möhre. Vor dem Reiten stehen intensives Putzen, Satteln und Trensen auf dem Programm. Die Trainingseinheit nach dem Aufwärmen dauert nur etwa 30 Minuten, aber ich kümmere mich auch um viele Dinge drum herum, zum Beispiel Spezialfutter vorbereiten, Weidegänge und Ausritte. Wenn der Tierzahnarzt, Hufschmied oder die Physiotherapeutin kommen, bin ich mit dabei. Mir ist wichtig, dass es den Pferden gut geht. Besonders Celli wird echt verwöhnt: Ich massiere ihn oft mit einem speziellen Gerät mit Magnetfeldern.
Ihr seid offensichtlich beide entspannte Typen. Gab es bei der EM trotzdem einen Moment, in dem du nervös wurdest?
Ein bisschen nervös war ich tatsächlich. Celli hat das auch gemerkt und wurde kurz etwas unruhig. Durch das viele Training ist aber vieles schon Gewohnheit. Sobald ich aufgestiegen bin, war die Nervosität weg. Ich war voll auf Autopilot und Celli auch wieder ruhig.
Dass es zwischen euch passt, wurde sogar schon ausgezeichnet: Für das Gesamtbild aus gefühlvollem Reiten und fairem Miteinander mit Pferd und Team hast du den Harmoniepreis erhalten. Was bedeutet für dich Harmonie beim Reiten?
Für mich ist das A und O, selbst die Ruhe zu bewahren und nie zu viel von seinem Pferd zu verlangen. Dazu gehört auch, auf seine Bedürfnisse zu achten und gut mit ihm umzugehen.
Sechs bis sieben Tage pro Woche im Stall, dazu Turniere und Lehrgänge – wie sieht dein Alltag aus, wenn auch noch die Schule dazukommt?
Nach der Schule geht es direkt zum Stall, die Hausaufgaben mache ich meistens im Auto. Viel Zeit zum Lernen bleibt neben dem ganzen Training und den Turnieren nicht, aber meine Noten sind zum Glück trotzdem gut. An einem Schultag bin ich gegen acht Uhr abends zu Hause, manchmal auch später, je nachdem, was im Stall noch so zu tun ist. Dann schaue ich noch ein paar Serien zum Runterkommen.
Wissen deine Mitschüler eigentlich, was du außerhalb des Klassenzimmers sportlich alles erreichst?
Ja, schon. Die Lehrer haben einmal in der Klasse erzählt, dass wir die EM gewonnen haben. Da wurde kurz applaudiert, ansonsten ist da alles entspannt.
In der Schule also weiterhin der normale Jasper. Und im Viereck – wo soll es da als Nächstes hingehen?
Nächstes Jahr möchte ich weiter bei den Children reiten und wieder zur Euro. Dafür muss ich viele Lehrgänge und Sichtungen machen. Irgendwann, also wenn ich alt genug bin, würde ich auch gerne bei einer Weltmeisterschaft reiten. Am liebsten natürlich mit Celli. Wenn ich könnte, würde ich ihn bis ans Ende meines Lebens reiten. Leider ist er jetzt schon etwas älter. Nächstes Jahr können wir aber noch zusammen bei den Children starten. Darauf freue ich mich.
Videoporträt // Jasper Rasche
Porträt: Jasper Rasche
Dressurreiten:
Verein: Reiterverein Neuwied e.V.
Trainer: Nicole Rex & Caroline Roost (Bundestrainerin)
Erfolge 2026:
3. Platz | Deutsche Jugendmeisterschaft (Bundesnachwuchschampionat U15)
1. Platz - Gold im Team | Europameisterschaft
Berufung Bundesnachwuchskader NK 1
1. und 2. Platz | Future Champions Hof Kasselmann
Harmonie & Fairnesspreis | Preis der Besten, Warendorf